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Der Schultag beginnt auf dem Schulweg

Text: Nadja Mühlemann / Blog-Redaktion

Fotos: Andrea Campiche

Der Schulweg ist spannend. Natürlich zu Fuss. Das bestätigt die 1./2. Klasse aus dem Stadtluzerner Schulhaus Mariahilf - eine Gewinnerklasse des Projekts «walk to school» von 2019. Nun läuft die Anmeldung für die diesjährigen  Aktionswochen samt Unterrichtsdossier und Wettbewerb.

Schulweg
Die 1./2. Klasse des Stadtluzerner Schulhauses Mariahilf mit ihrer Lehrerin Linda Zgraggen im Sommer 2019

Ein enttäuschtes «oooch» erklingt im Schulzimmer. Lehrerin Linda Zgraggen kündigt das Ende der Erzählrunde an. Dabei hätten die Erst- und Zweitklässler des Mariahilf-Schulhauses in Luzern noch viele weitere Geschichten von ihrem Schulweg zu erzählen gehabt.

Die junge Lehrerin hatte sich bereits anfangs Schuljahr 2019 entschieden, das Thema Schulweg in den Unterricht zu integrieren. Deshalb hat sie mit ihrer Klasse an der zweiwöchigen Aktion «walk to school» teilgenommen. «Der Schultag beginnt bereits auf dem Schulweg und nicht erst im Klassenzimmer», argumentiert sie.

Für Zgraggen sind nicht nur Verkehrsregeln wichtig, sie legt auch Wert auf ein korrektes Verkehrsverhalten. Ob bei Schulreisen oder Ausflügen, versucht sie die Themen immer wieder einzubringen. Etwa indem sie den Kindern weitergibt, dass es anständig ist, eine Person erst aussteigen zu lassen, bevor man selber in den Bus steigt. 

Schulhaus in der Innenstadt

Das Schulhaus Mariahilf liegt am Rande der Luzerner Altstadt. Einer der Wege dahin führt über eine lange, steile Treppe hinauf. 

Der Standort ist mit dem Auto schwer erreichbar. Tatsächlich sind Eltern, die ihre Kinder im Auto zur Schule bringen, im Mariahilf-Schulhaus ein eher unbekanntes Phänomen.

Auch aus der Sicht der Kinder sind Autos für den Schulweg unnötig: «Mir gefällt an meinem Schulweg am besten die frische Luft. Wenn ich im Auto sitze, stinkt es ein bisschen. Da gehe ich lieber zu Fuss», sagt eine Schülerin. «Mir bringt es nichts, wenn ich mit dem Auto zur Schule gefahren werde, das ist ein Umweg. Deshalb gehe ich eigentlich immer zu Fuss oder fahre mit dem Trottinett», betont eine andere Schülerin. 

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Die steile Treppe zum Schulhaus Mariahilf

Die meisten Kinder aus Zgraggens Klasse gehen – unabhängig von Wetter und Jahreszeit – zu Fuss zur Schule. Auf dem Weg eignen sie sich nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten an; etwa Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl. Das bestätigt auch Nadja Mühlemann, Projektmitarbeiterin «walk to school» beim Verkehrs-Club VCS Schweiz: «Der Schulweg ist eine Lebensschule. Er erlaubt dem Kind, den Verkehr und die Umgebung kennenzulernen und sich darin zurechtzufinden. Die Kinder können stolz auf sich sein, den Schulweg zu Fuss zu bewältigen.»

Geschichten und vielfältige Funde von unterwegs

Der Schulweg ist kein langweiliges Thema, sondern eine wertvolle Möglichkeit, Erlebnisse zu sammeln. Diese Botschaft ist bei der Luzerner Klasse angekommen. Ob die Erdbeeren aus dem Garten des Nachbarn, die Regenwürmer auf der Strasse oder die Kapellbrücke, auf dem Schulweg ergeben sich spannende Eindrücke. 

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Der Schulweg kann auch mal im "Schneckentempo" gemacht werden...
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...oder auf dem Bänkli eine kurze Pause mit der Freundin.

Bei einem gemeinsamen Rundgang durch das Quartier im Rahmen der Aktionswoche besuchte Lehrerin Zgraggen mit ihrer Schulklasse den Wohnort jedes Kindes. So bekamen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, die unterschiedlichen Schulwege kennenzulernen. Sie wissen nun, wo ihre Klassengschpänli wohnen und lernten neue Wege zur Schule kennen. Die Kinder durften ausserdem ihren eigenen Schulweg vom Schultor bis nach Hause ausmessen. Diese Aktivitäten haben den Kindern neue Perspektiven eröffnet. Gefragt nach dem Traumschulweg ist für die 1. und 2.Klässler:innen klar: er sollte kostenlose Süssigkeiten und abenteuerliche Passagen mit Rutschbahnen und Rolltreppen einschliessen.


Aktionswoche und Dossier: Jetzt anmelden

Seit 2011 organisiert der VCS die Aktionswochen «walk to school». In den vergangenen zehn Jahren haben 75’000 Schülerinnen und Schüler mitgemacht. Eltern, Kinder und Lehrpersonen werden damit auf die vielfältigen Vorteile sensibilisiert, die der Schulweg zu Fuss mit sich bringt. Die Aktionswochen starten beim Schuljahresbeginn und passen perfekt in den Lernplan: Nach den langen Sommerferien gehen die Kindergarten- und Schulkinder zwei Wochen lang zu Fuss zur Schule und sammeln dabei Punkte für den Wettbewerb. Zu gewinnen gibt es Reka-Checks für die Schulreise.

Ab sofort ist das Anmeldeportal für die Schulen offen, die 2022 mitmachen wollen: LINK zur Anmeldung «walk to school».

 

«Für den VCS ist wichtig, dass mit ‹walk to school› den Lehrkräften die Möglichkeit gegeben wird, die Schulwegsicherheit im Unterricht zu thematisieren und nach ihren Bedürfnissen zu vertiefen. Interessierten Lehrkräften stellt er dafür ein Unterrichtsdossier zur Verfügung. Ausserdem lässt sich das Thema Schulweg mit anderen Bereichen wie Umwelt, Gesundheit und Bewegung verknüpfen», sagt Mühlemann. Letzteres ist auch für Lehrerin Linda Zgraggen ein wichtiger Aspekt. Sie bestätigt, dass sich die Konzentrationsfähigkeit der Kinder erhöht, wenn sie sich vorher bewegen und austoben können. 

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