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«Die Schulen der Zukunft von damals sind heute Realität»

Interview: Alex Piazza

Bilder: Dienststelle Volksschulbildung

Das Projekt «Schulen mit Zukunft» konnte Ende dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen werden. Im Zentrum des Vorhabens standen fünf Ziele, die wegleitend waren für die Schul- und Unterrichtsentwicklung in den letzten Jahren.

Vor 15 Jahren lancierte der Kanton Luzern zusammen mit den Trägern der Volksschule das Projekt «Schulen mit Zukunft». Nun wird es per Ende 2020 abgeschlossen. Ausschlaggebend für das Vorhaben waren die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Volksschule. Basierend darauf definierten die Projektträger damals fünf Ziele für die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Verschiedene Evaluationen zeigen, dass die meisten Ziele sehr gut erreicht wurden oder anders gesagt: Die Schulen der Zukunft von damals sind heute Realität. Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volkschulbildung (bis Ende 2020) zieht Bilanz.

Charles Vincent, warum lancierte der Kanton Luzern vor 15 Jahren das Projekt «Schulen mit Zukunft»?

Um zeitgemäss und innovativ zu bleiben, muss sich die Volkschule laufend den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen anpassen. Nach Abschluss des Projekts «Schulen mit Profil», bei dem es in erster Linie um die Entwicklung der Schulorganisation und die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden ging, haben wir 2005 das Augenmerk auf den Unterricht gelegt und – mit den gleichen Partnerorganisationen – das Projekt «Schulen mit Zukunft» initiiert.

Schule mit Zukunft Luzern
Schule mit Zukunft: Jedes Kind soll individuell gefördert werden. Hier in der Primarschule Willisau.

In diesen Tagen wird das Projekt offiziell abgeschlossen. Wurden die gesteckten Ziele erreicht?

Von den fünf Entwicklungszielen, die wir damals definiert haben, sind die meisten sehr gut umgesetzt. Der Lehrplan 21 ist bereits in der zweiten Sekundarklasse eingeführt. Die Basisstufe kann von den Schulen bei Bedarf selbständig realisiert werden. Zudem verfügen alle Schulen über die Integrative Förderung resp. Sonderschulung und praktisch alle über die Schulsozialarbeit. Entwicklungsbedarf besteht hingegen bei den Tagesstrukturen, da immer mehr Familien auf ein bedarfsgerechtes Angebot angewiesen sind.

 

Gerade die Integrative Förderung wurde oft kritisiert. Sind Sie immer noch überzeugt, dass es der richtige Weg ist?

Für mich ist es der einzig mögliche Ansatz, um der zunehmenden Vielfalt der Lernenden im Unterricht gerecht zu werden. Homogene Klassen, in denen alle Schülerinnen und Schüler auf dem gleichen Niveau sind und gleich schnell vorwärtskommen, sind nicht realistisch. Heute muss jeder Lernende, jede Lernende individuell gefördert werden. Ausserdem müssen Gemeinschaftserlebnisse beim Lernen ermöglicht werden. Diese doppelte Zielsetzung ist auch die grösste Herausforderung für die Zukunft. Dank zusätzlichen Unterstützungsmassnahmen wie der Integrativen Förderung oder dem vermehrten Einsatz von Klassenassistenzen ist es heute möglich, die meisten Kinder und Jugendlichen integrativ zu schulen. Was aber nicht heisst, dass wir in Zukunft keine Sonderschulen mehr brauchen. Von den Kindern mit Sonderschulbedarf werden immer noch gut die Hälfte in Sonderschulen gefördert.

Schulen mit Zukunft Luzern
Charles Vincent, Dienststellenleiter Volksschulbildung (bis Ende 2020) ist zufrieden mit den Resultaten aus dem Projekt «Schulen mit Zukunft»

Und die guten Schüler? Bleiben Sie auf der Strecke?

Nein. Die Ergebnisse von Evaluationen zeigen, dass auch höchstbegabte Lernende heute vom integrativen Unterricht profitieren. Wenn sie ihre Aufgaben gelöst haben, bekommen sie von der Lehrperson anspruchsvollere Lernaufträge. In gewissen Situationen können sie von der Lehrperson auch als Vermittler eingesetzt werden, indem sie anderen Schülern Aufgaben erklären. Ausserdem haben wir verschiedene Zusatzangebote initiiert, zum Beispiel die Ateliers für Hochbegabte oder die BM SEK+.

«Das Ende, das erst der Anfang ist»

Ende Dezember gehen Sie nach 34 Jahren als Dienststellenleiter in Pension. Wie beurteilen Sie die Zukunft der Volksschule?

«Das Ende, das erst der Anfang ist». Das gilt auch für die Schulentwicklung. So wie die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft weitergehen wird, ist sie auch an der Volksschule mit dem Projekt «Schulen mit Zukunft» nicht einfach abgeschlossen. Die fünf Partner der Luzerner Volksschulen sind bereits an der Formulierung nächster Entwicklungsziele, um die Schulentwicklung für die kommenden 10 bis 25 Jahre zu planen. Zu den grössten Herausforderungen gehört sicher, der zunehmenden Digitalisierung und den immer rascher stattfindenden demografischen Veränderungen gerecht zu werden. Eine wichtige Ausrichtung für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen ist das Konzept der «sozialraumorientierten Schulen». Dieses betrachtet die einzelnen Schulen nicht mehr isoliert, sondern als eine in ihrer Gemeinde oder ihrem engeren Umfeld verwurzelte Institution. Das Vorhaben wurde bereits in sechs Pilotschulen erfolgreich erprobt.

Mehr Infos zu Schulen mit Zukunft

Auf eine Feier zum Abschluss des Projekts musste wegen der Pandemie kurzfristig verzichtet werden. Die für die Feier geplanten Beiträge stehen aber im Internet zur Verfügung: Schulen mit Zukunft - Kanton Luzern. Dort gibt es auch weitere Informationen zum Projekt (z.B. Entwicklungsziele).

Medienmitteilung zum Abschluss Schulen mit Zukunft vom 3. November 2020

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