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Ein Jahr Zentralschweizer Filmförderung: Sieben Erkenntnisse zum Auftakt

Text: Gabriela Mischkale 

Bilder/Illustrationen: Manuela Forster

Seit dem 1. Januar 2025 fördern die sechs Zentralschweizer Kantone ihr Filmschaffen gemeinsam — mit einheitlichen Richtlinien, einer gemeinsamen Geschäftsstelle in Luzern und einem Jahresbudget von 1.6 Millionen Franken. Das erste Jahr zeigt: Die Region hat filmisch einiges zu sagen. Eine Bilanz in sieben Punkten.

1. Fördermittel voll ausgeschöpft - 87 Gesuche

Das erste Jahr hat die Erwartungen erfüllt: 87 Gesuche wurden eingereicht, verteilt auf vier Eingabetermine sowie weitere eingegangene Gesuche im Bereich der Auswertungsförderung. 53 Projekte erhielten eine Förderzusage, 34 wurden abgelehnt oder zurückgezogen. Insgesamt wurden Fördermittel in Höhe von CHF 1‘632‘749 vergeben - das Budget wurde vollständig ausgeschöpft. Ein deutliches Signal: Der Bedarf und die Schaffenskraft in der Zentralschweiz sind gross, und die neue gemeinsame Förderstruktur wird genutzt.

2. Von der Idee bis ins Kino - Förderung über den ganzen Produktionszyklus

Die Zentralschweizer Filmförderung begleitet Projekte über alle Phasen: Entwicklung, Herstellung, Postproduktion - und neu auch die Auswertung. Mit diesem neuen Förderinstrument unterstützt sie Filmschaffende auch auf dem Weg zum Publikum: beim Kinostart, der Teilnahme an Festivals oder der Produktion von Promotionsmaterial. Mit 22 geförderten Projekten war die Herstellungsphase am stärksten vertreten - doch auch in der frühen Entwicklung wurde kräftig investiert, was zeigt: Die Förderung setzt früh an und denkt langfristig.

 

Manuela Forster, Leiterin der Geschäftsstelle sieht die Hauptaufgabe der Förderstelle genau in diesem Bereich: «Die Unterstützung endet nicht mit dem fertigen Film - entscheidend ist, dass wir ihn auch wirklich zum Publikum bringen können.»

Auf die Filmherstellung entfällt der grösste Förderanteil: 22 Projekte, CHF 1.34 Mio.; Entwicklung, Postproduktion und die neue Auswertungsförderung ergänzen den Zyklus.
Auf die Filmherstellung entfällt der grösste Förderanteil: 22 Projekte, CHF 1.34 Mio.; Entwicklung, Postproduktion und die neue Auswertungsförderung ergänzen den Zyklus.

3. Neu: Wer Geld bekommt, investiert es in der Region

Ebenfalls neu ist das Prinzip des Regionaleffekts: Wer einen Beitrag von CHF 30’000 oder mehr beantragt, muss mindestens den gleichen Betrag in der Zentralschweiz ausgeben. Die Idee dahinter: Fördergelder sollen nicht einfach abfliessen, sondern als Aufträge an lokale Fachpersonen und Dienstleistende in der Region bleiben und so Vernetzung und Qualität stärken. Wie stark dieser Effekt tatsächlich wirkt, wird sich über die nächsten Jahre zeigen. Die Grundlage ist gelegt.

 

Besonders im Zusammenspiel mit der wachsenden Filmbranche in der Zentralschweiz könnte der Regionaleffekt langfristig dazu beitragen, nachhaltige Produktionsstrukturen aufzubauen und Know-how stärker in der Region zu bündeln.

Schnittplatz Luzern
Hier wird Kino gemacht: Der Schnittplatz, an dem «Der Umzugskoordinator – Abschied von der Wohnung» von der Dokfilmerin Ursula Brunner entstand, gefördert durch den Kanton Luzern.

4. Sechs Kantone, eine Struktur — was die Zusammenarbeit konkret bringt

Filmförderung gab es in der Zentralschweiz schon vorher. Mit der Zusammenlegung wurde jedoch eine einheitliche Struktur geschaffen: Die kantonsübergreifende Zusammenarbeit bündelt Förderentscheide und ermöglicht einen gezielteren Einsatz der Mittel. Projekte profitieren von einer gemeinsamen Anlaufstelle, einheitlichen Richtlinien und nicht zuletzt von mehr Mitteln für den Zentralschweizer Film.

 

Die Liste der geförderten Produktionen wird laufend ergänzt und ist auf der Website oder als PDF zum Download einsehbar. 

5. Zentralschweizer Filme auf grossen Bühnen

Bereits im ersten Jahr waren Zentralschweizer Produktionen auf nationalen und internationalen Bühnen präsent mit einem fulminanten Doppelerfolg: «Heldin» von Petra Volpe (Produktion: Zodiac Pictures) gewann Ende März 2026 den Schweizer Filmpreis als Bester Spielfilm und schaffte es zudem auf die Oscar Short List. Die höchste nationale Auszeichnung und internationale Aufmerksamkeit in einem einzigen Jahr als starkes Zeichen für die Qualität des regionalen Filmschaffens.

 

Weitere Highlights des Jahres:

•      Frank & Louis — Sundance Film Festival

•      Heldin — Schweizer Filmpreis Bester Spielfilm und Oscar Short List

•      Zahlreiche Teilnahmen an den Solothurner Filmtagen, u.a. The Narrative von Bernard Weber und Martin Schilt, Im Bann der Quarzkristalle von Irene Marty, Namaste Seelisberg von Felice Zenoni, Heldin von Petra Volpe, Fuscht im Sack von Pablo Callisaya, Karies von Aline Höchli

Filmset Fuscht im Sack, 2025, Produktion Tapir Film
Am Set von «Fuscht im Sack» von Pablo Callisaya, Produktion Tapir Film, gefördert in der Herstellung, sowie der Auswertung durch die Kantone Luzern, Obwalden & Zug.

6. Begleitung, nicht nur Bewilligung

Ein grosser Teil der Arbeit der Geschäftsstelle findet bereits vor der eigentlichen Gesuchseingabe statt. Viele Filmschaffende wenden sich mit konkreten Fragen zur Antragsberechtigung oder zur Antragstellung an die Geschäftsstelle. Ziel ist es, diese Fragen frühzeitig zu klären, damit die Gesuche vollständig und korrekt eingereicht werden und anschliessend ohne Rückfragen an die Fachkommission zur Prüfung weitergeleitet werden können.

 

Am 21. Mai 2026 stellt Geschäftsstellenleiterin Manuela Forster ihre Arbeit beim Filmstamm von Film Zentralschweiz vor, einem regelmässigen, informellen Treffen, das Filmschaffende aus der Zentralschweiz zum Austausch und zur Vernetzung zusammenbringt. Eine gute Gelegenheit, Fragen rund um die Gesuchseingabe direkt zu stellen.

 

Dass diese Nähe geschätzt wird, zeigt das Echo aus der Praxis. Fabian Biasio, in Luzern ansässiger Filmemacher, Multimedia-Reporter und Fotograf, beschreibt seine Erfahrung: «Ich habe es selten geschafft, ein Gesuch auf Anhieb vollständig einzureichen — umso mehr schätze ich an der Zentralschweizer Filmförderung die Menschlichkeit zwischen den Paragrafen: klare Regeln, aber ein kollegialer und konstruktiver Umgang.»

 

Eine Einschätzung, die auch Vincenzo Carrieri, Filmschaffender und Wirtschaftswissenschaftler, teilt: «Die Zusammenarbeit mit der Zentralschweizer Filmförderung war für uns äusserst wertvoll. Insbesondere dank des professionellen, lösungsorientierten und zugleich sehr zugänglichen Supports durch die Geschäftsstelle.»

7. Neue Gesichter in der Fachkommission, nächste Eingabe

Seit Beginn des Jahres 2026 hat die Fachkommission zwei neue Mitglieder. Die Journalistin und Filmschaffende Susanne Arnold (Delegierte Kt. UR) und Kuratorin und Regisseurin Simone Späni (Delegierte Kt. SZ) übernehmen von Ralph Aschwanden und Franz Kälin, die mit grossem Engagement in der Kommission mitgewirkt haben.

 

Die Kommission prüft die Gesuche inhaltlich und qualitativ und spricht Förderempfehlungen an die Kantone aus — mit Blick auf künstlerische Qualität, Realisierbarkeit und regionale Verankerung.

 

Das erste Jahr zeigt: Die gemeinsame Filmförderung ist in der Branche angekommen und schafft neue Perspektiven für das Filmschaffen in der Zentralschweiz.

Nächste Eingabetermine: 

- 24. April 2026

- 6. Juli 2026

 

Alle Informationen zur Gesuchseingabe finden sich auf www.zentralschweizerfilmfoerderung.ch.



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