Text: Vera Bergen
Training, Wettkämpfe und Unterricht unter einen Hut zu bringen, ist für sportlich talentierte Jugendliche eine Herausforderung. Im Kanton Luzern sorgen die Sportsekundarschulen in Kriens und Sursee dafür, dass schulische Bildung und Leistungssport sich optimal ergänzen. Der BKD-Blog über Talente, Training und Tagesstruktur.
In Kürze:
- Die Sportsekundarschulen in Kriens und Sursee ermöglichen Jugendlichen, Training, Wettkämpfe und Schule miteinander zu verbinden.
- Unterricht, Trainingszeiten und Lernphasen sind so organisiert, dass sportliche Belastungen und schulische Anforderungen zusammenpassen.
- Die Sportsekundarschulen sind für Jugendliche mit sportlichem Potenzial, guten schulischen Voraussetzungen und hoher Motivation.
- Die Schulen arbeiten eng mit Vereinen, Trainerinnen und Trainern sowie Eltern zusammen, damit Training und Unterricht gut abgestimmt sind.
- Die Jugendlichen sollen sich sportlich entwickeln und gleichzeitig eine solide schulische Grundlage für ihr weitere Ausbildung aufbauen.
Die Langläuferin Nadine Fähndrich, die Fussballprofis Ruben Vargas und Ardon Jashari sowie die Handballspieler Gino Steenaerts und Luca Sigrist haben eines gemeinsam: Sie alle besuchten während ihrer Schulzeit die Sportschule Kriens. Dort konnten sie intensives Training und schulische Ausbildung miteinander verbinden, eine Kombination, die für viele junge Leistungssportler entscheidend ist.
Denn Leistungssport verlangt Zeit, Disziplin und sorgfältige Planung. Trainings, Wettkämpfe und Reisen prägen den Alltag vieler Nachwuchstalente. Gleichzeitig müssen sie die obligatorische Schule absolvieren. Schule und Spitzensport miteinander zu vereinbaren, wird so schnell zu einem organisatorischen Balanceakt.
Hier kommen im Kanton Luzern die Sportschulen auf Sekundarstufe I (7.-9. Schuljahr) ins Spiel. «Die Nachfrage ist hoch und wächst stetig», sagt etwa Timo Zemp, Schulleiter der Sportschule Kriens, welche seit 2001 existiert. Seit dem laufenden Schuljahr 2025/26 gibt es neu auch eine Sportschule in Sursee, welche dabei hilft, die steigende Nachfrage zu decken. Alle Angebote verfolgen dabei denselben Grundgedanken: sportliche Förderung und schulische Ausbildung sollen sich ergänzen statt konkurrenzieren.
Wenn Talent Struktur braucht

Die Sportschule Kriens arbeitet seit über zwanzig Jahren mit diesem Grundgedanken und hilft als «Swiss Olympic Partnerschule» (siehe Infobox unten) den Jugendlichen dabei, eine solide schulische Ausbildung mit einer optimalen sportlichen Entwicklung zu verbinden. «Dabei geht es nicht nur um Noten und Medaillen, sondern auch um Persönlichkeitsbildung, Selbstorganisation sowie körperliche und mentale Gesundheit», sagt Timo Zemp von der Sportschule Kriens. Dieselbe Idee verfolgt auch die Sportschule Sursee, welche sich dieses Jahr ebenfalls als Swiss Olympic Partnerschule bewerben will. «Ziel ist es, Jugendliche ganzheitlich zu fördern und sie sowohl schulisch als auch sportlich auf ihrem individuellen Entwicklungsweg zu begleiten», erklärt Schulleiter und Sportkoordinator Peter Bigler.
Infobox: Swiss Olympic Partnerschool
Schulen in der Schweiz, die Leistungssport und Ausbildung gezielt verbinden, können von Swiss Olympic ausgezeichnet werden. Es gibt zwei Labels: «Swiss Olympic Partner School» und «Swiss Olympic Sport School».
Eine «Swiss Olympic Partner School» bietet ein flexibles Schulmodell, das Unterricht und Training gut aufeinander abstimmt. Die Jugendlichen sollen ihre schulischen Ziele erreichen und gleichzeitig genügend Zeit für intensives Training haben. Der Unterricht findet entweder in regulären Klassen mit angepassten individuellen Lösungen oder in speziellen Sportklassen statt. Eine Koordinationsperson sorgt dafür, dass Schule, Verein und Umfeld eng zusammenarbeiten.
Das Label «Swiss Olympic Sport School» geht noch einen Schritt weiter. Diese Schulen schaffen ein umfassendes lern- und sportförderndes Umfeld auf Sekundarstufe I oder II. Sie bündeln Schule, Training, Infrastruktur und teilweise auch Wohnmöglichkeiten an einem Standort. Der Sport steht dabei klar im Zentrum.
Für Nachwuchstalente mit Potenzial

Beide Schulen richten sich gezielt an Nachwuchsathletinnen und -athleten mit nachgewiesenem Potenzial. Voraussetzung für die Aufnahme sind sportliche Leistungen, Empfehlungen von Vereinen oder Verbänden sowie passende schulische Voraussetzungen. Neben Talent zählen Motivation, Selbstständigkeit und Organisationsfähigkeit. «Die Jugendlichen müssen bereit sein, Verantwortung für ihr Lernen und ihren Sport zu übernehmen», konkretisiert Peter Bigler von der Sportschule Sursee.
Damit unterscheiden sich diese Sport-Sek Klassen klar von regulären Schulangeboten mit erweitertem Sportunterricht. Sie sind Teil der strukturierten Nachwuchsförderung und arbeiten eng mit Vereinen, Verbänden und Trainerinnen und Trainern zusammen.
Entsprechend breit ist auch das sportliche Spektrum der Schülerinnen und Schüler. An den beiden Standorten trainieren Nachwuchstalente unter anderem in Sportarten wie Handball, Unihockey, Eishockey, Fussball oder Volleyball, aber auch in Einzelsportarten wie Schwimmen, Triathlon, Ski alpin, Tennis, Golf oder Badminton. Hinzu kommen Disziplinen wie Kunstturnen, Ringen, BMX Racing oder Tanzen.
Auch die Finanzierung ist klar geregelt. Für Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Luzern übernimmt gemäss Volksschulgesetz die Wohngemeinde das Schulgeld. «Für Jugendliche aus anderen Kantonen muss die Finanzierung jeweils mit der kantonalen Sportförderung und der Heimatgemeinde geklärt werden», erklärt Timo Zemp, Schulleiter der Sportschule Kriens. Für die Eltern entstehen zusätzliche Kosten für den öffentlichen Verkehr sowie für das obligatorische Mittagessen. Diese belaufen sich pro Schülerin oder Schüler auf etwas mehr als 2'000 Franken pro Schuljahr.
Infobox: Gemeinsamkeiten und Unterschied der Sportschulen Kriens und Sursee
Gemeinsamkeiten
- Verbindung von Schule und Leistungssport
- selektive Aufnahmeverfahren
- enge Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden
- strukturierte Tagesplanung
- Fokus auf Eigenverantwortung
Lernendenzahlen
Sportschule Kriens: 120 Lernende
Unterschiede
- Die Sportschule Kriens besteht seit 2001 und ist seit 2006 Swiss-Olympic-zertifiziert.
- Die Sportschule Sursee startete offiziell im Schuljahr 2025/26 und möchte sich dieses Jahr als Swiss Olympic Partnerschule bewerben.
- Kriens integriert sportpsychologische Beratung fest.
- Sursee setzt stärker auf Lerncoachings und Planungskompetenzen.
Lernendenzahlen
Sportschule Sursee: 25 Lernende
Ein Schulalltag, der Training mitdenkt
Neben dem konsequenten Mitdenken des Sportunterrichts ist bei den Sportklassen auch die Organisation des Unterrichts anders als bei herkömmlichen Sekundarklassen. In Sursee erfolgt der Unterricht gemäss der Wochenstundentafel des Kantons Luzern, «wobei die maximale Belastung von 25 Lektionen pro Woche eingehalten wird. Dies wird von Swiss Olympic so festgelegt. Trainingszeiten sind in den Tages- und Wochenablauf integriert und werden ergänzt durch individuelle Lernzeit und Lerncoaching», erklärt Peter Bigler das Surseer-Modell.
Ein Blick auf die Stundenplanstruktur der Sportschule Kriens zeigt, wie diese Kombination im Alltag aussehen kann. Neben klassischen Unterrichtsblöcken («Input») gibt es regelmässige Zeitfenster für selbstorganisiertes Lernen (SOL) sowie Phasen für die persönliche Lernzeit (PLZ-Phasen). «Diese PLZ-Zeiten sind bewusst flexibel gestaltet. In diesen Zeitfenstern können Trainings angesetzt werden», erklärt Schulleiter Timo Zemp. So entstehen im Wochenverlauf mehrere Trainingsfenster, ohne dass der Unterricht darunter leidet. An der Sportschule Kriens werden die Jugendlichen zudem durch ein kleines Lehrpersonenteam eng betreut. Digitale Lernplattformen und zusätzliche Lernzeiten helfen den Jugendlichen, verpasste Inhalte nachzuholen. Ziel ist an beiden Schulen immer, dass Absenzen aufgrund des Trainings oder von Wettkampf-Tagen nicht zu schulischen Problemen führen.
Individuelle Begleitung und Teamarbeit
Das eigentliche Sporttraining findet je nach Sportart und Standort in den jeweiligen Vereinen und Clubs statt. Für die Fussballer und Volleyballspielerinnen an der Sportschule Kriens beispielsweise ist der Weg nicht weit: Sie trainieren direkt im an die Schule angrenzenden Stadion oder auf der Beachanlage Kleinfeld. Auch in Sursee bietet die Umgebung der Schule viele Trainingsmöglichkeiten: Die Schwimmerinnen sowie die Triathletinnen und Triathleten trainieren in der Sportarena auf dem Campus. Die Mountainbiker fahren auf dem Gelände rund um die Schule, während Eishockey- und Unihockeyspieler ebenfalls die Infrastruktur direkt vor Ort in der Eis- und Turnhalle verwenden können.
Die Schulen ergänzen durch Athletiktraining, Koordination oder mentale Vorbereitung. Auch das Wissen, wie die Jugendlichen Verletzungen präventiv vorbeugen können, ist Teil des Sportunterrichts. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Trainerinnen und Trainern sowie den Jugendlichen und deren Eltern. Trainings-, Unterrichts- und Erholungszeiten werden gemeinsam geplant. In Sursee helfen Wochenplanungen und Lernjournale, hohe Belastung aufzuzeigen und zu vermeiden.
Gleichzeitig legen beide Standorte grossen Wert auf individuelle Betreuung. In Kriens stehen zusätzliche Lernzeiten und freiwillige sportpsychologische Beratungen zur Verfügung. In Sursee unterstützen regelmässige Einzelcoachings die Jugendlichen bei Lernstrategien und Organisation des Schulalltags. Ziel ist, die schulischen Anforderungen trotz intensiver Trainingsphasen zu sichern. «Schliesslich müssen die Schülerinnen und Schüler nach dem Besuch der Sportschule eine berufliche oder schulische Anschlusslösung absolvieren können und sich auf ein Leben nach dem Spitzensport vorbereiten», sagt Timo Zemp.
Weitere Informationen zu den Volks- und Sportschulen im Kanton Luzern



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