Text: Dr. Tanja Warring, Direktorin Museum Luzern
Vorschaubild: Margherita Delussu
Mit der Übernahme der kantonalen Kunstsammlung im Herbst 2025 ist Museum Luzern endgültig zum Mehrspartenhaus geworden. Natur, Kultur und Kunst vereinen sich nun unter einem Dach. Dieser breite Fokus fordert die Kuration heraus - eröffnet aber zugleich neue Perspektiven. Denn er knüpft an die Ursprünge des Museums an: die Wunderkammer.
In Kürze:
- Museum Luzern wird durch die Übernahme der kantonalen Kunstsammlung endgültig zum Mehrspartenhaus für Kunst, Natur und Kultur.
- Museum Luzern verbindet bewusst verschiedene Themenbereiche statt sie voneinander zu trennen.
- Die neue Ausrichtung knüpft an die Idee der historischen Wunderkammer an: Staunen, Entdecken und Zusammenhänge verstehen.
- Das Jahresthema 2026 «Sichtbar machen» zeigt, wie Kunst neue Perspektiven auf Gesellschaft, Natur und Geschichte eröffnet.
- Den Auftakt bildet die Ausstellung «Sichtbar! Tiere aus dem Kunstdepot».

Die Wunderkammern des 16. bis 18. Jahrhunderts waren Orte des Staunens. Exotische Objekte aus fernen Weltgegenden trafen hier auf wissenschaftliche Präparate und kostbare Kunstwerke. Ihr Anspruch war gross: die Welt im Kleinen abzubilden – als Kosmos in Miniatur, der Neugier weckt und Horizonte erweitert.
Mit der Aufklärung wurde dieses Staunen geordnet. Objekte wurden kategorisiert, Disziplinen voneinander getrennt. Es entstanden die Museen, wie wir sie heute kennen: Orte des Bewahrens, Forschens und Vermittelns. Zunehmend spezialisierten sie sich – auf Natur, Geschichte oder Kunst.
Museum Luzern schlägt heute bewusst wieder einen anderen, interdisziplinären Weg ein. Statt die Bereiche zu trennen, rückt es ihre Verbindungen ins Zentrum. Denn die Welt lässt sich nicht in Schubladen denken: Natur formt Kultur, der Mensch verändert Natur, und Kunst spiegelt beides – und oft noch mehr. Staunen und Wissen stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander.
«Sichtbar machen» als Programm
Als Mehrspartenhaus verfolgt das Museum ein ambitioniertes Ziel: Es will nicht nur sammeln und ausstellen, sondern Zusammenhänge sichtbar machen. Genau hier setzt das Jahresthema 2026 an: «Sichtbar machen».
Eine spezielle Rolle spielt dabei die kantonale Kunstsammlung, welche Museum Luzern im vergangenen Herbst übernommen hat. Kunst ist weit mehr als nur Darstellung – sie ist Ausdruck ihrer Zeit, Spiegel gesellschaftlicher Werte und Einladung zum Perspektivenwechsel. Kunst macht komplexe Zusammenhänge erfahrbar, stellt Fragen und eröffnet neue Sichtweisen. Gleichzeitig lässt sie vergangene Weltbilder lebendig werden. Entscheidend ist dabei ihr Kontext: die Entstehungszeit ebenso wie ihre Bedeutung für heutige gesellschaftliche Debatten.
Den Auftakt des Jahresthemas «Sichtbar machen» bildet ein erster, kleiner Einblick in die Kunstsammlung unter dem programmatischen Titel «Sichtbar! Tiere aus dem Kunstdepot». Ein Projekt, das zeigt, wie sich künstlerische, naturkundliche und kulturelle Perspektiven miteinander verweben lassen.

Ein vernetztes Ganzes
Im Museum Luzern entsteht ein Programm, das die Vielfalt der Disziplinen nicht nur nebeneinanderstellt, sondern miteinander ins Gespräch bringt. Und damit an eine der zentralen Ideen der historischen Wunderkammern anknüpft: die Welt – oder eben den Kanton Luzern – als vernetztes Ganzes zu begreifen.
Ausstellungen im Museum Luzern zum Thema «Sichtbar machen»:
Sichtbar! Tiere aus dem Kunstdepot: 2.4.26–21.2.27
Versorgt. Verdingt. Vergessen? 14.5.–23.10.26
Unsichtbar? Tiere im Verborgenen: 12.6.26–21.2.27
Weitere Informationen rund um das Museum Luzern:

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