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Praxisintegriertes Bachelorstudium an der HSLU: Studieren und gleichzeitig arbeiten

Interview: Vera Bergen

Vorschaubild: Dienststelle Berufs- und Weiterbildung

Das praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS soll zu einem festen Bestandteil des Schweizer Hochschulsystems werden. Dies haben die eidgenössischen Räte in der vergangenen Dezember beschlossen. PiBS verbindet Studium und Beruf von Beginn an und eröffnet insbesondere gymnasialen Maturandinnen und Maturanden im MINT-Bereich einen direkten, praxisnahen Einstieg ins Berufsleben ohne zusätzliches Praxisjahr. Lea Wick und Björn Jensen, Programmleitende PiBS der Hochschule Luzern HSLU, erklären im Interview, wie der Entscheid zur Verstetigung die Situation verändert und wie das PiBS genau funktioniert.


In Kürze:

  • Das praxisintegrierte Bachelor-Studium PiBS verbindet Studium und Arbeit von Anfang an. Studierende sind zu 60 Prozent an der Hochschule und zu 40 Prozent in einem Unternehmen tätig.
  • PiBS ermöglicht den direkten Studieneinstieg nach der gymnasialen Matura. Ein zusätzliches Praxisjahr oder Praktikum ist nicht nötig.
  • PiBS ist nun dauerhaft anerkannt. Der Entscheid der Bundesversammlung macht das Modell von einem Pilotversuch zu einem festen Bestandteil des Hochschulsystems.
  • PiBS-Studierende bauen früh ein berufliches Netzwerk auf und haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
  • Unternehmen profitieren von gut vorbereiteten Nachwuchskräften und können Potenziale der Studierenden gezielt über mehrere Jahre entwickeln und sie nach dem Abschluss des Studiums rasch einsetzen.

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Prof. Dr. Björn Jensen und Lea Wick leiten das praxisintegriere Bachelorstudium an der Hochschule Luzern. Björn Jensen ist zuständig für den Bereich Informatik, Lea Wick für die Bereiche Technik & Architektur. (Bilder: zVg)

Lea Wick und Björn Jensen, Sie sind an der Hochschule Luzern HSLU für das praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS zuständig. Was ist das PiBS? 

Lea Wick (LW): Das praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS ist ein massgeschneidertes, vierjähriges Studienmodell für gymnasiale Maturandinnen und Maturanden, das Theorie und Praxis ab dem 1. Tag verzahnt.

 

Im Gegensatz zum klassischen Vollzeitstudium, das drei Jahre dauert, oder dem berufsbegleitenden Studium sind die Studierenden zu 40 Prozent in einem Partnerunternehmen angestellt und zu 60 Prozent an der Hochschule. So benötigen sie kein vorgängiges Praxisjahr, um mit einer gymnasialen Matura oder einer fachfremden Berufsmatura an der Hochschule Luzern HSLU zum Studium zugelassen zu werden.

 

Björn Jensen (BJ): Der zentrale Unterschied des praxisintegrierten Bachelorstudiums PiBS liegt nicht im Abschluss selbst, sondern darin, wie die Praxiserfahrung organisiert ist. Die Studierenden sammeln ihre Berufserfahrung strukturiert, begleitet und qualitätsgesichert direkt im Unternehmen während des Studiums.

 

An der Hochschule Luzern wird PiBS in zahlreichen Bachelorstudiengängen angeboten, vor allem in technischen und wirtschaftsnahen Bereichen. Welche Studiengänge aktuell im PiBS-Modell studiert werden können, ist laufend aktualisiert auf hslu.ch/pibs zu finden.

Die eidgenössischen Räte entschieden im Dezember 2025, das Praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS zu verstetigen. Was bedeutet dies für die Hochschule Luzern?

BJ: Bisher war das PiBS ein Pilotprojekt, um dem Arbeitskräftemangel im MINT-Bereich entgegenzuwirken. Mit der jetzt stattgefundenen Verstetigung durch das Parlament im Winter 2025/26 gewinnt PiBS an Bedeutung und wird zu einem regulären, unbefristeten Studienmodell. Strukturell bleibt das Erfolgsmodell mit der Aufteilung 60 Prozent Studium und 40 Prozent Arbeitswelterfahrung bestehen. Wir nutzen die Verstetigung aber, um unser Netzwerk weiter auszubauen und PiBS bei den gymnasialen Maturandinnen und Maturanden noch bekannter zu machen. 

Wie ist die Nachfrage nach dem PiBS und erwarten Sie durch die Verstetigung eine Veränderung bei den Anmeldezahlen?

LW: Das Interesse an PiBS ist bereits hoch. Möglicherweise haben einige Eltern und Lehrpersonen bisher noch gezögert, ein «Experiment» zu empfehlen. Diese Hürde ist nun gefallen. Durch die gewonnene Sicherheit der offiziellen Anerkennung und der gewonnenen langfristigen Perspektive erwarten wir ein deutliches Wachstum und eine erhöhte Nachfrage nach der begrenzten Anzahl unserer PiBS-Studienplätze.

Das Modell des praxisintegrierten Bachelorstudiums PiBS. (Bild: HSLU)

Welche Vorteile bringt das PiBS Maturandinnen und Maturanden direkt nach dem Schulabschluss? 

BJ: Das PiBS-Studienmodell ermöglicht einen Direkteinstieg ohne vorheriges Wartejahr oder Praktikum und bietet gymnasialen Maturandinnen und Maturanden die Chance, bei einem Unternehmen in der Region tätig zu sein.

Durch den frühzeitigen Einblick in die Arbeitswelt können sich die Studierenden bereits ab Studienbeginn ein professionelles Netzwerk aufbauen, das den späteren Berufseinstieg massgeblich erleichtert.

 

Während des gesamten vierjährigen Studiums an der HSLU ist die finanzielle Unabhängigkeit durch einen fairen Praktikumslohn gewährleistet. Ein klar strukturierter Wochenplan mit zwei Tagen im Unternehmen und drei Tagen an der Hochschule stellt die optimale Verbindung von Theorie und Praxis sicher. Nach Abschluss des Studiums verfügen die Absolventinnen und Absolventen nicht nur über einen berufsbefähigenden Bachelor-Abschluss, sondern auch über mehrjährige wertvolle Berufserfahrung.

Inwiefern profitieren Unternehmen von Studierenden, die rund 40 Prozent ihrer Zeit im Betrieb verbringen?

LW: Unternehmen gewinnen junge Talente, die sie über vier Jahre gezielt auf eine konkrete Rolle im Betrieb vorbereiten können. Nach dem Abschluss des PiBS-Studiums sind die Absolventinnen und Absolventen schnell einsatzbereit und benötigen kaum Einarbeitungszeit.

 

Während des Studiums profitieren Unternehmen und Firmen von einem kontinuierlichen Know-how-Transfer: aktuelles, wissenschaftlich fundiertes Fachwissen aus dem Studium fliesst über die gesamte Studiendauer direkt in die betriebliche Praxis ein. Zudem lassen sich Projektarbeiten und insbesondere die Bachelor-Thesis gezielt auf konkrete Fragestellungen und reale Herausforderungen des Unternehmens ausrichten, wodurch ein unmittelbarer Mehrwert entsteht. Nicht zuletzt fördert das PiBS die enge Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch mit der HSLU - etwa im Rahmen gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

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Das praxisintegrierte Bachelorstudium PiBS verbindet Studium und Beruf und ermöglicht Studierenden, während des Studiums wertvolle Praxiserfahrung zu sammeln. (Bild: Dienststelle Berufs- und Weiterbildung)

Welche Herausforderungen gibt es bei der Abstimmung zwischen akademischen Anforderungen und betrieblicher Praxis?

BJ: Die grösste Herausforderung für die Studierenden ist die zeitliche Belastung während des Semesters und insbesondere in den Prüfungsphasen. Hier hilft es, wenn Betriebe Flexibilität zeigen können. Studierende müssen lernen, ihre Zeit effizient zu managen. Klare Rahmenvereinbarungen, wie wir sie jetzt einführen und ein regelmässiger Austausch mit den Firmenpartnern helfen uns PiBS weiterzuentwickeln.

 

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von aktuellen Studierenden zum PiBS?

BJ: Die Studierenden schätzen die Abwechslung. Wenn es an der Theoriefront trocken wird, motiviert die praktische Anwendung im Betrieb. Die grösste Sorge ist oft der Workload, weshalb wir eine aktive Community fördern. Die Arbeitsmarktchancen werden als exzellent bewertet, manchmal liegt der Arbeitsvertrag des Partnerbetriebs schon vor dem Diplom auf dem Tisch.

 

Wie stellen Sie sicher, dass Studierende mit fachfremder Berufsmatura erfolgreich ins Studium integriert werden können?

LW: Obwohl PiBS primär für die gymnasiale Matura konzipiert wurde, bieten wir für alle Einsteigenden technische Vorkurse an, um das Einstiegsniveau zu harmonisieren. Der Careers Service der HSLU bereitet die Studierenden auf den Bewerbungsprozess in den Unternehmen vor.

Wo sehen Sie die Rolle des PiBS im Schweizer Hochschulsystem in zehn Jahren, insbesondere im Vergleich zu traditionellen Studiengängen und dualen Modellen im Ausland?

LW: Mit seiner praktischen Ausrichtung und der engen Verzahnung von Theorie und Praxis, wird sich das PiBS in 10 Jahren als Gütesiegel etabliert haben, für Menschen, die erfolgreich Arbeit und Studium gemeistert und sich mit einem Bachelor-Titel für die Berufswelt qualifiziert haben.

 

Weiter wird sich PiBS mit seiner gezielten Erweiterung der Durchgängigkeit des tertiären Systems fest in der Schweizer Bildungslandschaft verwurzeln. Sein Erfolg gründet in dem direkten Zugang für gymnasiale Maturandinnen und Maturanden zu den Bachelor-Studiengängen im MINT-Bereich an Fachhochschulen, wie der HSLU.

 

BJ: Während das Ausland ähnliche Wege geht, punktet das Schweizer PiBS durch die hohe akademische Qualität der Fachhochschulen gepaart mit der Agilität unserer KMU-Landschaft. Es wird das Bindeglied sein, das das akademische Potenzial der Gymnasien mit der praktischen Stärke unseres Wirtschaftsplatzes verbindet.


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