Text: Andrea Oppliger / Samuel Wegmann
Bilder: LUSTAT Statistik Luzern
Beim Bildungserwerb zeigen sich auch im Kanton Luzern deutliche soziale Ungleichheiten. Eine neue Analyse von LUSTAT Statistik Luzern zeigt, dass insbesondere der Bildungsstand der Eltern den Bildungsverlauf prägt. Diese Ungleichheiten können sich später auch auf andere Lebensbereiche auswirken, etwa auf Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe oder die Lebenszufriedenheit. Je nach Bildungsetappe zeigen sich zudem weitere Formen von sozialer Ungleichheit.
In Kürze:
- Kinder von Eltern mit hoher Ausbildung erreichen häufiger selbst einen höheren Abschluss.
- Mädchen und deutschsprachige Kinder wechseln häufiger ins Langzeitgymnasium als Knaben und fremdsprachige Kinder.
- Rund 9 von 10 Luzerner Jugendlichen schliessen nach der obligatorischen Schule eine Erstausbildung auf Sekundarstufe II ab.
- Frauen machen häufiger eine allgemeinbildende Ausbildung, Männer häufiger eine berufliche Ausbildung.
- Erwerbstätige mit höherem Bildungsabschluss bilden sich häufiger beruflich weiter als Personen mit tieferem Abschluss.
Der Übertritt auf die Sekundarstufe I stellt einen wichtigen Übergang im Bildungsverlauf dar, weil er oft als Weichenstellung fungiert, welche die Richtung der weiteren Ausbildungen vorspurt. Im Kanton Luzern zeigt sich beim Übertritt ins Langzeitgymnasium ein deutlicher Geschlechterunterschied. Mädchen treten öfters in das Langzeitgymnasium ein als Knaben.
Die Übertrittsquote ins Langzeitgymnasium ist bei Luzerner Lernenden mit mindestens einem Elternteil mit Tertiärabschluss deutlich höher als bei Lernenden mit Eltern mit Abschluss der Sekundarstufe II. Es bestehen ebenfalls Unterschiede nach Erstsprache der Lernenden. So wechseln deutschsprachige Lernende am Ende der Primarschule häufiger ins Langzeitgymnasium als fremdsprachige Lernende. Anteilmässig am häufigsten starten deutschsprachige Kinder, die im Ausland geboren sind, mit dem Langzeitgymnasium.
Art der Erstabschlüsse auf Sekundarstufe II unterscheiden sich nach Geschlecht

Ein Abschluss auf Sekundarstufe II gilt als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration in die Wirtschaft und Gesellschaft. Erwerben junge Erwachsene keinen nachobligatorischen Abschluss, sind ihre beruflichen Chancen geringer und der Zugang zu vielen weiterführenden Ausbildungen bleibt ihnen verwehrt.
Junge Frauen und junge Männer schliessen im Kanton Luzern ähnlich oft eine erste Ausbildung ab. Von den Luzernerinnen und Luzernern, die in den Jahren 2012 bis 2014 die obligatorische Schule beendet hatten, schlossen 92 Prozent der Frauen respektive 91 Prozent der Männer bis spätestens zehn Jahre nach Schulaustritt eine Erstausbildung auf Sekundarstufe II ab.
Die Abschlüsse stehen jedoch am Ende von unterschiedlichen Bildungsgängen. So hatten die Frauen häufiger als die Männer eine allgemeinbildende Ausbildung absolviert. Nach Erstsprache betrachtet zeigt sich, dass Deutschsprachige bei der gymnasialen Maturität eher übervertreten sind, Fremdsprachige hingegen bei den eidgenössischen Berufsattesten (EBA).
Weniger Ungleichheiten bei der jüngeren Bevölkerung
Weiter wird in der Analyse der Bildungsstand der Luzerner Bevölkerung betrachtet. Unter dem Bildungsstand wird die höchste abgeschlossene Ausbildung, die eine Person erreicht hat, verstanden. Im zeitlichen Vergleich schreitet die Bildungsexpansion voran. Das heisst, dass ein immer grösserer Teil der Bevölkerung einen höheren Bildungsabschluss erlangt.
Die Bildungsexpansion startete bei den Männern und den Frauen allerdings auf unterschiedlichen Niveaus und schritt nicht gleich schnell voran. Bei den Frauen ging im zeitlichen Vergleich der Anteil der Personen ohne Abschluss stärker zurück als bei den Männern. Gleichzeitig nahm bei den Frauen auch der Anteil der Personen mit Tertiärbildung deutlich stärker zu als bei den Männern.
Insgesamt verfügen unter den 25- bis 44-jährigen Luzernerinnen und Luzerner beinahe gleich viele Frauen wie Männer über einen Abschluss auf Tertiärstufe. Die jüngeren Frauen haben jedoch häufiger einen Hochschulabschluss (Tertiär A) erlangt, die jüngeren Männer einen Abschluss der höheren Berufsbildung (Tertiär B). In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen sind die Männer bei beiden Typen von Tertiärabschlüssen in der Mehrheit.
Es zeigen sich auch Ungleichheiten nach Herkunft. So haben Personen, die in der Schweiz geboren wurden, häufiger einen Abschluss der höheren Berufsbildung gemacht als Personen, die im Ausland geboren wurden. Bei den Hochschulabschlüssen ist dieses Verhältnis ausgeglichener.
Der Bildungsstand der Eltern beeinflusst den späteren Bildungsstand. Verfügte mindestens ein Elternteil über einen Abschluss auf Tertiärstufe, haben auch die Kinder häufiger einen Tertiärabschluss erreicht. Umgekehrt sind Kinder von Eltern ohne nachobligatorische Ausbildung selbst ebenfalls häufiger ohne Abschluss geblieben.
Erwerbstätige Personen mit Tertiärabschluss nehmen öfter an Weiterbildung teil
Die Teilnahme an der Weiterbildung zeigt, wer im Sinn des lebenslangen Lernens seine Kenntnisse auch über die Zeit der formalen Ausbildung hinaus weiterpflegt und/oder ausbaut. Die Analyse bestätigt für den Kanton Luzern ansatzweise, was für die Gesamtschweiz festgestellt wurde: Die Teilnahme an Weiterbildungen unterscheidet sich nach Herkunft, Bildungsstand, sozialer Schicht und Geschlecht. Zudem spielt der Bildungsstand eine bedeutende Rolle, ob eine berufliche Weiterbildung besucht wird. Luzerner Erwerbstätige mit einem Tertiärabschluss haben deutlich häufiger an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen als solche mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II oder ohne eine nachobligatorische Ausbildung.
Weitere Analysen zu sozialen Ungleichheiten
Weitere Informationen zu den sozialen Ungleichheiten im Bildungsverlauf finden sich im neuen Webartikel von LUSTAT. Er ist Bestandteil eines Dossiers zum Thema «Soziale Ungleichheiten», das mit Analysen zu Ungleichheiten in weiteren Lebensbereichen ergänzt werden wird.
Weitere Informationen rund um Datenanalysen von LUSTAT





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