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Neue Web-App «Fliehen vor dem Holocaust» bringt Zeitzeugnisse direkt ins Klassenzimmer

Text: Pädagogische Hochschule Luzern & Blogredaktion 

Vorschaubild: Nadia Schärli

Wie lässt sich die Geschichte des Holocausts jungen Menschen vermitteln, wenn persönliche Begegnungen mit Zeitzeuginnen und -zeugen bald nicht mehr möglich sind? Die Web-App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» bietet dafür einen zeitgemässen Zugang. Das digitale Lernangebot der Pädagogischen Hochschule Luzern ist seit  Mitte Juni 2026 kostenlos im Internet verfügbar und kann ohne Installation direkt im Browser genutzt werden.


In Kürze:

  • Die neue Web-App «Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» hilft Schülerinnen und Schülern, die Geschichte des Holocausts anhand echter Lebensgeschichten von Überlebenden zu verstehen.
  • Lernende können selbstständig mit Videos, Bildern, Karten und historischen Dokumenten arbeiten und die Fluchtgeschichten von fünf Menschen erkunden.
  • Die App stellt auch einen Bezug zur Gegenwart her und regt dazu an, über heutige Fluchterfahrungen nachzudenken.
  • Die Web-App ist kostenlos, direkt im Browser nutzbar und ohne Installation im Unterricht einsetzbar.
  • Die bisherige Lern-App wurde bereits rund 180'000 Mal heruntergeladen. Die neue Web-Version bietet aktualisierte Inhalte und soll künftig auch in weiteren Sprachen verfügbar sein.

Die Web-App richtet sich insbesondere an Lehrpersonen und Lernende der Sekundarstufen I und II. Sie ermöglicht den Lernenden eine selbstständige, interaktive Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten von Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus vor Verfolgung und Vernichtung fliehen mussten.

Fünf Fluchtgeschichten als Ausgangspunkt

Im Zentrum der Web-App stehen die Erzählungen von Holocaust-Überlebenden. Forschung und Praxiserfahrungen zeigen, dass persönliche Lebensgeschichten bei Jugendlichen auf grosses Interesse stossen und nachhaltige Lernerfahrungen ermöglichen. Anhand von Video-Interviews, historischen Dokumenten, Bildern, Karten und weiteren Quellen lernen die Schülerinnen und Schüler Menschen kennen, die ihre Flucht vor dem NS-Regime überlebt haben. So erhalten sie einen direkten Zugang zu einem historischen Thema, das oft als abstrakt oder schwer greifbar wahrgenommen wird. «Die Lebensgeschichten der interviewten Personen schaffen einen persönlichen Zugang zur Geschichte und wirken motivierend sowie bereichernd für den Unterricht», sagt der Historiker Peter Gautschi, der das Projekt mit- und auch nach seiner Pensionierung weiterentwickelt hat.

 

Für Lukas Tobler, der an der Pädagogischen Hochschule Luzern als Dozent und Projektleiter am Institut für Fachdidaktik der Gesellschaftswissenschaften (IGW) tätig ist, liegt ein besonderer Mehrwert der Web-App im Bezug zur Gegenwart: «Die Fluchtgeschichten liegen zwar zeitlich weit zurück. Die Schülerinnen und Schüler werden aber in der App darauf hingeleitet, dass auch heute Menschen fliehen. Sie werden mit der Frage konfrontiert, wo sie in ihrer Umgebung solchen Menschen begegnen und was ihnen helfen kann.»

Wenn Geschichte zur Entdeckungsreise wird

Die Lernenden entscheiden dabei selbst, welche Lebensgeschichte sie verfolgen, welche Materialien sie vertiefen und welche Lernwege sie einschlagen. Dadurch entsteht eine individuelle Auseinandersetzung mit Geschichte, die sowohl Wissen vermittelt als auch zur Reflexion anregt. Während der Arbeit mit der Web-App dokumentieren die Lernenden ihre Erkenntnisse in einem persönlichen digitalen Album. Dieses dient als Grundlage für den Austausch im Unterricht und unterstützt die gemeinsame Reflexion.

 

Darüber hinaus bietet das digitale Format zahlreiche pädagogische Vorteile: Inhalte lassen sich laufend aktualisieren, unterschiedliche Medienformen können eingebunden werden, und Lernwege können einfacher an individuelle Interessen und Bedürfnisse angepasst werden als bei klassischen Lehrmitteln. Lernende arbeiten dadurch selbstständiger und setzen sich aktiv mit historischen Fragestellungen auseinander. «Dadurch entsteht eine hohe Zugänglichkeit, die den Unterricht bereichert und vielfältige Lernwege ermöglicht», so Gautschi.


Infobox zur Web-App

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Die Web-App wurde vor der Freischaltung unter anderem durch Jugendliche einer Geschichtsklasse am Gymnasium Immensee getestet. (Bild: Nadia Schärli)

Die Überarbeitung und Aktualisierung der Web-App fand in Kooperation zwischen dem OeAD-Programm ERINNERN.AT, der Fachhochschule Vorarlberg (Forschungszentrum Human-Centred Technologies) und der Pädagogischen Hochschule Luzern unter der Co-Leitung von Peter Gautschi statt.

 

Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), das österreichische Bundesministerium für Bildung und durch verschiedene Stiftungen. Erreichbar ist die Webapp ab Juni 2026 unter www.fliehen-holocaust.at



Kostenlos, webbasiert und einfach im Unterricht einsetzbar

Die neue Web-Version baut auf einer erfolgreichen Vorgänger-App auf. Seit ihrer Lancierung im Jahr 2018 wurde die Lern-App rund 180'000 Mal heruntergeladen und mehrfach ausgezeichnet. «Dies zeigte uns, dass das Thema für den Unterricht relevant ist und die Lernarchitektur funktioniert», erklärt Peter Gautschi. Die Erfahrungen mit der Lern-App flossen in die Weiterentwicklung der Web-Version ein.

 

Der Wechsel von einer Download-App zu einer webbasierten Lösung macht den Einsatz im Unterricht deutlich einfacher. Die Lernenden können das Angebot direkt online nutzen, eine Installation über App-Stores fällt weg. Gleichzeitig können Inhalte schneller aktualisiert und laufend verbessert werden. Auch Bezüge zur Gegenwart sowie Aufgabenstellungen wurden überarbeitet und an die Lebenswelt heutiger Jugendlicher angepasst. Das Angebot der Web-App soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant sind zudem weitere Sprachversionen. Noch im Sommer 2026 soll eine französische Ausgabe erscheinen, auch italienische und englische Versionen sind denkbar.


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